Wir waren eingeladen mit der Frage „what is Art“ von den jungen Künstlern des Sprengel Museums. Geladen wurde zur Ausstellungs- Eröffnung der niederländischen Künstlerin Rineke Dijkstra.

Dort hatten wir die Möglichkeit, uns auf einer riesigen weißen Leinwand zu verewigen. Künstlerisch waren uns keine Grenzen gesetzt. Unter der Überschrift „what is Art“ skizzierten und unterschrieben die eingeladenen Gäste. In den ersten Ausstellungsräumen hingen Fotografien, Porträts aus den frühen 1990ern Jahren.
Die Bilder der Künstlerin hingen vor weißen Wänden und wurden von grellem
Scheinwerferlicht ausgeleuchtet. Auf den Bildern waren hauptsächlich Kinder und
Jugendliche zu sehen. Sie alle schauten ziemlich traurig und niedergeschlagen direkt
in die Kamera. Unter jedem Bild stand der Name und das Herkunftsland des Models
geschrieben. Wir fingen einen kleinen Wettbewerb an und versuchten zu erraten, aus welchem
Land das jeweilige Model stammte. In einem weiterführenden Raum standen einige Skulpturen vor den Fotografien und Ölgemälden. Eine runde, korpulente Frau kniete und streckte ihre Arme in die Höhe. Im direkten Gegenzug ihr gegenüber stand eine dünne, drahtige Skulptur, mit herunterhängenden Schultern.
Die Ausstellung führte uns an farbenfrohen Ölgemälden, Plastiken
und Skulpturen weiter. Hinzu kommt die moderne, faszinierende Architektur des
Sprengelmuseums. Hinter jeder Wand erstreckt sich ein neuer offener Raum, Licht
durchflutet von Oberlichtern oder Fensterfronten. Hinter einer anderen Wand
erstreckt sich ein dunkler Raum, nur mit Scheinwerfern ausgeleuchtet. Über eine
Galerie hinweg führt der Weg in eine Halle, mit Kopfsteinpflaster verlegt. Eine riesige
Printtapete füllt eine ganze Wand aus, davor eine Bank zum Verschnaufen, genießen
und aufnehmen.

Sprengel Museum über die Künstlerin:

Mit Rineke Dijkstra (*1959 in Sittard, Niederlande, lebt in Amsterdam) ehrt die Stiftung Niedersachsen eine der herausragenden Fotografinnen der Gegenwart. Dijkstras Werk nimmt in seiner formalen wie inhaltlichen Stringenz, in der Tiefe der fotografischen Auseinandersetzung mit dem klassischen Porträt, eine solitäre Position in der neueren Fotografie-Geschichte ein. Die Künstlerin erhielt im Oktober 2017 den legendären Hasselblad Award, ihr Gesamtwerk ist im Rahmen einer Retrospektive zu sehen, die vom Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk (DK) ausgeht. Darüber hinaus kann Dijkstra auf zahlreiche internationale Ausstellungen zurückblicken, u. a. im San Francisco Museum of Modern Art, dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York, sowie der Tate Liverpool.
Für ihre Ausstellung im Sprengel Museum Hannover hat die Künstlerin nun erstmals eine Präsentationsform entwickelt, die auf einem Dialog von ausgewählten Werken ihres eigenen Œuvres mit Werken aus der museumseigenen Sammlung aufbaut: darunter Werke von Hans Arp und Max Beckmann, Fernand Legér und Kurt Lehmann, aber auch Fotografien von Ernst Schwitters. In der Konfrontation von Fotografien aus den frühen neunziger Jahren (z. B. die „Beach Portraits“) und aktuellen Arbeiten mit Gemälden und Skulpturen der Moderne eröffnet sich ein neuartiger Blick auf die spezifische Bildsprache der niederländischen Künstlerin. Zugleich können wichtige Werke der Sammlung noch einmal neu wahrgenommen werden.
Die Auswahl ihrer Porträts, die Dijkstra für die Präsentation im Sprengel Museum Hannover getroffen hat, macht deutlich, wie sehr sich viele der Dargestellten eines Vorgangs des Fotografiert-Werdens bewusst sind. In den Fotografien ist es die Spannung zwischen dem Ideal der entspannten Selbstdarstellung und der angespannten Pose, dem Exhibitionismus und der Verdinglichung einer durch die Optik der Kamera bewussten Haltung, die zu dem komplexen Bild eines Individuums wird. Rineke Dijkstra betrachtet die Fotografie als eine Möglichkeit, sich mit grundsätzlichen Fragen menschlicher Existenz auseinanderzusetzen. Die Fotografie ist dabei Beobachtungs- und Erkenntnismittel. Das genaue und detailinteressierte
Sehen, das sie in ihren mit Großformat- oder Videokamera entstehenden Bilder zum Nachvollzug anbietet, offenbart die ständige Wandelbarkeit des menschlichen

Seins.

Die Auszeichnung mit dem SPECTRUM – Internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen würdigt die stilbildende Kraft dieses Œuvres und die künstlerische Konsequenz, mit der Rineke Dijkstra die Auseinandersetzung mit dem fotografischen Porträt in ihren filmischen Arbeiten fortführt.

Eure

Text von: Marita I Moi-plus-belle

Fotoreportage